20.05.2026 — Weltbienentag

Weltbienentag am 20. Mai: Warum eine Biene 20.000 Kilometer für ein Kilo Honig fliegt und was ein slowenischer Maler damit zu tun hat.

Weltbienentag

Weltbienentag: 20.000 Kilometer für ein Glas Honig

Kurz erklärt: Der Weltbienentag wird seit 2018 jedes Jahr am 20. Mai gefeiert. Die Vereinten Nationen haben ihn am 20. Dezember 2017 auf Vorschlag Sloweniens ausgerufen. Das Datum geht auf den Geburtstag von Anton Janscha (1734–1773) zurück, einem Krainer, der unter Maria Theresia Hofimker in Wien war und die erste moderne Imkerschule der Welt leitete. Ziel des Tages: Aufmerksamkeit für Bienen und andere Bestäuber, von denen rund 85 Prozent der deutschen Pflanzenerträge abhängen.

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Stell dir vor, du müsstest 20.000 Kilometer fliegen, um ein einziges Glas Marmelade zu füllen. Halb um die Erde, einmal quer durch jede Wetterlage, dazu 20 Millionen Blüten abklappern. Klingt nach einer Bestrafung aus der griechischen Sagenwelt. Ist aber der Alltag einer ganz normalen Honigbiene, wenn am Ende ein Kilogramm Honig auf deinem Toast landen soll. Und genau für diese kleinen Hochleistungspendler gibt es heute den Weltbienentag.

Ein Slowene, eine Kaiserin und der Anfang einer Idee

Das Datum hat keinen botanischen Grund, sondern einen biografischen. Am 20. Mai 1734 wurde im damaligen Oberkrain, heute Slowenien, ein gewisser Anton Janscha geboren. Eigentlich ein Maler, eigentlich Bauernsohn, eigentlich kein klassischer Wissenschaftler — und trotzdem der Mann, der die Imkerei in die Neuzeit getragen hat. Janscha entdeckte als Erster, was die Drohnen im Bienenstock eigentlich tun. Er entwickelte Bienenstockformen, die sich transportieren ließen. Und er landete in Wien, wo ihn Maria Theresia persönlich zum Hofimker und Leiter der weltweit ersten modernen Imkerschule machte.

Slowenien hat das nie vergessen. Ende 2017 brachte das Land bei den Vereinten Nationen einen Antrag durch, der nach dreijähriger Lobbyarbeit endlich akzeptiert wurde: ein internationaler Tag für die Bienen, an Janschas Geburtstag. Seit 2018 wird er weltweit begangen, in Slowenien gilt er sogar als inoffizieller Nationalfeiertag — mit allem, was dazugehört: Honigverkostungen, Imkerumzüge, Schulkinder, die in gelb-schwarzen T-Shirts mit Bienenflügeln durch die Stadt rennen. Romantisch? Vielleicht. Sinnvoll? Definitiv.

50.000 Mitarbeiter, eine Königin, null Pausen

Ein gesundes Bienenvolk besteht im Sommer aus bis zu 50.000 Einzeltieren. Das ist mehr als die Einwohnerzahl von Bayreuth. Und sie funktionieren wie ein perfekt durchorganisiertes Unternehmen ohne Kantinenstreit. Es gibt die Königin, die jeden Tag bis zu 2.000 Eier legt. Es gibt Ammen, Wachen, Putzkolonnen, Wabenbauerinnen, Honig-Verarbeiterinnen und schließlich die Sammlerinnen. Letztere starten zu ihrer Karriere erst nach drei Wochen — vorher haben sie Innendienst.

Eine Sammlerin fliegt pro Tag rund dreißig Mal aus und besucht bei jedem Flug 200 bis 300 Blüten. Sie schleppt dabei winzige 0,02 Gramm Honig nach Hause. Hochgerechnet bedeutet das: Für ein 500-Gramm-Glas Honig muss eine einzige Biene 25.000 Mal ausfliegen. Sie schafft das natürlich nicht alleine. Aber das Bild zeigt, in welcher Größenordnung diese Tiere arbeiten — und warum jede einzelne Blütenwiese in deinem Garten am Ende mehr Honig auf den Tisch bringt, als du denkst.

Die Tanzsprache: Bienen-Navi ohne Akku

Wenn eine Sammlerin eine richtig gute Blütenquelle gefunden hat, hält sie den Fund nicht für sich. Zurück im Stock beginnt sie zu tanzen. Bei nahen Quellen reicht ein Rundtanz, also schlichtes Kreiseln. Bei weiter entfernten Trachten kommt der Schwänzeltanz zum Einsatz — eine kleine Achterbewegung, deren Ausrichtung den Schwestern den Winkel zur Sonne und damit die Richtung zur Futterquelle verrät. Die Länge der Schwänzelphase kodiert die Entfernung.

Entdeckt hat das der österreichische Verhaltensforscher Karl von Frisch. Er bekam 1973 den Nobelpreis für Medizin dafür, was lange Zeit der einzige Nobelpreis für eine reine Verhaltensbeobachtung blieb. Eine Biene ohne GPS erklärt ihrer Kollegin in 14 Sekunden die exakte Wegbeschreibung zu einem 800 Meter entfernten Lavendelfeld. Manche menschlichen Mitbewohner schaffen das nicht mal mit Google Maps für die nächste Apotheke.

Ohne Bienen kein Apfel, keine Mandel, kein Müsli

Bienen sind nicht nur Honigfabriken, sondern systemrelevante Arbeitskräfte der Landwirtschaft. In Deutschland hängen rund 85 Prozent der Pflanzenerträge in Obst- und Gemüsebau direkt an Insektenbestäubung. Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren, Kürbis, Raps, Mandeln, Kaffee, Kakao — alles Pflanzen, die ohne Bestäuber entweder gar nicht oder nur kümmerlich Frucht ansetzen würden. Wer Bienen einen Service Level Agreement geben wollte, bräuchte ein neues Vertragsformat.

Und genau deshalb ist der Weltbienentag mehr als ein Marketing-Datum für Honigverkäufer. Wildbienen sind in Deutschland zur Hälfte gefährdet. Die Varroa-Milbe macht den Honigbienen seit Jahrzehnten zu schaffen, Pestizide schwächen die Völker, monotone Landschaften liefern keinen Nektar, und versiegelte Vorgärten sehen zwar aufgeräumt aus, taugen aber für Insekten ungefähr so viel wie ein Flughafenparkplatz für Wildschweine.

So feierst du den Weltbienentag

Pflanze etwas. Wirklich, das ist der unspektakulärste und gleichzeitig wirksamste Beitrag. Wildblumenmischungen für Balkonkästen gibt es in jedem Baumarkt, eine Handvoll Phacelia, Borretsch oder Kornblume in einem Topf zaubern im Sommer einen ganzen Bienenflughafen auf zwei Quadratmetern. Wenn du keinen Balkon hast, hilft schon die Patenschaft für ein Bienenvolk, eine Tafel regionaler Honig aus der Imkerei nebenan oder ein Insektenhotel an der Hauswand.

Kaufst du Honig, dann gerne lokal. Importhonig aus Großhandelsmischungen ist oft so gestreckt, dass er die Bezeichnung kaum verdient hat. Und reden hilft auch: Erzähl jemandem heute drei Dinge über Bienen, die der oder die noch nicht wusste. Vielleicht das mit den 20.000 Kilometern. Vielleicht das mit dem Tanz. Vielleicht das mit dem slowenischen Maler, der 1734 geboren wurde und ohne den die UN heute keinen Anlass für einen Welttag hätte. Anton Janscha wäre vermutlich verlegen über so viel Aufmerksamkeit. Aber die Bienen, die haben es sich verdient.




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