29.05.2026 — Mount-Everest-Tag

Mount-Everest-Tag am 29. Mai: 1953 bestiegen Hillary und Tenzing als Erste den Gipfel. Warum der Berg den falschen Namen trägt und was die Todeszone ist.

Mount-Everest-Tag

Mount-Everest-Tag: 8.849 Meter und ein offenes Geheimnis

Kurz erklärt: Der Mount-Everest-Tag fällt jedes Jahr auf den 29. Mai. Er erinnert daran, dass an genau diesem Tag im Jahr 1953 der Neuseeländer Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay als erste Menschen nachweislich auf dem Gipfel des höchsten Bergs der Erde standen. Nepal erklärte den Tag 2008 nach Hillarys Tod offiziell zum Gedenktag.

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11:30 Uhr, und kein Platz für zwei

Stell dir vor: ein weißer Grat, schmaler als ein Küchentisch, links 3.000 Meter Abgrund, rechts 3.000 Meter Abgrund. Es ist der Vormittag des 29. Mai 1953, kurz nach halb zwölf. Zwei Männer in selbstgenähten Daunenanzügen kämpfen sich die letzten Meter hoch — und dann ist da nichts mehr. Kein höherer Punkt. Über ihnen nur Himmel. Sie stehen auf dem Dach der Welt.

Hillary machte ein Foto von Tenzing, der seinen Eispickel mit den Flaggen von Nepal, Indien, Großbritannien und den Vereinten Nationen in den Wind hielt. Ein Foto von sich selbst gibt es nicht — Tenzing hatte noch nie eine Kamera bedient, und oben in der dünnen Luft war nicht der Moment für eine Foto-Schulung. Ganze fünfzehn Minuten blieben die beiden. Dann ging es wieder runter, denn der Mount Everest lässt niemanden lange feiern.

Wer war zuerst oben? Die Antwort, die keiner gab

Die ganze Welt wollte es wissen: Wer setzte den ersten Fuß auf den Gipfel? Hillary, der Imker aus Neuseeland? Oder Tenzing, der Sherpa, der den Berg seit Jahren kannte? Reporter bohrten, Regierungen drängten, Zeitungen spekulierten wild.

Die beiden gaben jahrelang keine klare Antwort und sagten nur, sie seien „als Team“ oben angekommen. Erst in seiner Autobiografie räumte Tenzing schließlich ein, dass Hillary einen Schritt vor ihm stand. Aber die beiden hatten längst entschieden, dass diese Frage egal ist. Sie hatten zusammen angeseilt überlebt — und das war die einzige Reihenfolge, die zählte. Eine Lektion in Bescheidenheit, von ganz weit oben.

Warum der Berg eigentlich gar nicht Everest heißt

Kleiner Treppenwitz der Geschichte: Der berühmteste Berg der Welt trägt den Namen eines Mannes, der ihn nie bestiegen und vermutlich nie aus der Nähe gesehen hat. George Everest war ein britischer Landvermesser in Indien. 1865 benannte die Britische Vermessungsbehörde den Gipfel nach ihm — gegen seinen eigenen Wunsch, denn er fand, lokale Namen seien sinnvoller. Pikanterweise sprach er seinen Nachnamen „Iew-rest“ aus, nicht „Ever-est“. Der ganze Planet sagt den Namen also falsch.

In Nepal heißt der Berg Sagarmatha, „Stirn des Himmels“. In Tibet nennt man ihn Chomolungma, „Mutter-Göttin der Erde“. Beide Namen sind Jahrhunderte älter als der britische — und ehrlich gesagt auch ein bisschen poetischer als der Nachname eines Beamten, der den Berg per Theodolit vom Flachland aus vermaß.

Die Todeszone fängt da an, wo Hubschrauber kapitulieren

Mit 8.848,86 Metern ist der Everest so hoch, dass oben nur noch ein Drittel des Sauerstoffs der Meereshöhe ankommt. Alles über 8.000 Meter nennen Bergsteigende die Todeszone: Der Körper baut hier schneller ab, als er sich erholen kann. Schlafen, essen, klar denken — alles wird zur Quälerei. Wer zu lange bleibt, kommt nicht mehr runter.

Und der Berg wächst weiter. Weil die indische Erdplatte sich unter die eurasische schiebt, legt der Everest jedes Jahr rund vier Millimeter zu. In deinem Leben wird er also mehrere Zentimeter höher — ohne dass du etwas davon merkst. Inzwischen haben über 6.000 Menschen den Gipfel erreicht, an einem einzigen guten Wetter-Tag stauen sich manchmal Hunderte am letzten Grat. Das schmale Dach der Welt ist erstaunlich gut besucht geworden.

So feierst du den Mount-Everest-Tag

Keine Sorge, niemand verlangt von dir Steigeisen. Schau dir einen der vielen Everest-Dokumentarfilme an — die alten Aufnahmen der Expedition von 1953 sind staubig, wackelig und absolut fesselnd. Oder lies Tenzings Lebensgeschichte: vom Sherpa-Träger zum Mann, der ein ganzes Land stolz machte.

Wer es aktiver mag, sucht sich den höchsten Hügel der Umgebung und stapft hoch — oben ein Foto, Arme in die Luft, eigener Mini-Gipfelsieg inklusive. Und wenn du es ganz gemütlich willst: ein heißer Tee, eine Landkarte des Himalaya und die ehrliche Frage, wann du das letzte Mal etwas wirklich Schwieriges gewagt hast. Der Everest ist nämlich auch eine Einladung, den eigenen inneren Berg anzugehen.

Warum ein Berg uns klein und groß zugleich macht

Der Mount-Everest-Tag feiert nicht nur einen Felsen mit Rekordhöhe. Er feiert den Moment, in dem zwei Männer aus völlig verschiedenen Welten merkten, dass sie nur gemeinsam überleben — und dass die Frage nach dem „Ersten“ am Ende keine Rolle spielt. Genau das macht den 29. Mai so sympathisch: Er erzählt von menschlichem Größenwahn und menschlicher Demut in einem einzigen Atemzug, ganz dünn und kalt, auf 8.849 Metern.




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