
Welt-Käse-Tag: 26 Tonnen Cheddar und ein bisschen Wahnsinn
Kurz erklärt: Der Welt-Käse-Tag fällt jährlich auf den 4. Juni und wurde 1914 von der Wisconsin Cheesemakers Association ins Leben gerufen. Ausgangspunkt war die Kleinstadt Monroe in Wisconsin, eine Hochburg der Schweizer Einwanderer. Heute feiern weltweit Käsefans über 1.800 verschiedene Sorten – von Mozzarella bis zum maden-bewohnten Casu Marzu.
57.518 Pfund. So viel wog das größte Stück Käse, das jemals produziert wurde. Vier Jahre lang reifte dieser Cheddar im kanadischen Ontario vor sich hin, bevor er 1989 vermutlich der Menschheit serviert wurde. Wenn dir das übertrieben vorkommt, dann hast du den Welt-Käse-Tag noch nicht richtig verinnerlicht.
Käse ist eines der ältesten verarbeiteten Lebensmittel der Menschheit – und gleichzeitig eines der bizarrsten. Es gibt Sorten, die mit lebenden Maden verkauft werden, andere die mehr kosten als Gold pro Kilo, und Wettbewerbe, bei denen erwachsene Menschen einen runden Laib einen Hügel hinunter jagen. Höchste Zeit, dem Käse den Tag zu schenken, den er verdient.
Eine Stadt, eine Idee, eine Industrie
Die Geschichte des modernen Welt-Käse-Tags beginnt in Monroe, Wisconsin – einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA, in der sich Ende des 19. Jahrhunderts viele Schweizer Auswanderer niederließen. Sie brachten ihre Käse-Tradition mit, und schon bald wurde Monroe als amerikanische Hauptstadt des Limburgers bekannt – jenes berüchtigt stinkenden Weichkäses, den manche lieben und andere von Bord werfen würden.
1914 gründete die Wisconsin Cheesemakers Association den Tag, um die heimische Käseindustrie zu promoten. Warum genau der 4. Juni? Niemand weiß es so richtig. Vielleicht weil im Juni die Milch der Kühe nach Frühjahrsweiden besonders aromatisch wird. Vielleicht aber auch nur, weil irgendjemand bei der Sitzung sagte: „Wie wäre es mit dem 4.?“ – und niemand widersprach. Seither feiert Wisconsin alle zwei Jahre ein riesiges Käse-Festival mit Paraden, Blasmusik und mehr Probierhäppchen, als gesund sein kann.
Maden, Milliarden und Donkeykäse
Die Welt des Käses ist deutlich verrückter, als die Auswahl im Supermarkt vermuten lässt. Auf der italienischen Insel Sardinien gibt es den Casu Marzu – einen Schafsmilchkäse, in dem absichtlich Käsefliegen-Maden gezüchtet werden. Die kleinen Larven verflüssigen das Fett und geben dem Käse seine cremige Konsistenz. Beim Essen sollte man die Augen schließen, denn die Maden können bei Störung bis zu 15 Zentimeter weit springen. Die EU hat ihn aus naheliegenden Gründen verboten – Sarden essen ihn trotzdem.
Der teuerste Käse der Welt heißt Pule und kommt aus Serbien. Er wird aus der Milch von Balkan-Eseln hergestellt, einer bedrohten Tierart. Für ein einziges Kilogramm braucht man rund 25 Liter Eselsmilch – und da Eselstuten nur winzige Mengen produzieren, kostet das Kilo Pule über tausend Euro. Hergestellt wird er ausschließlich auf einer einzigen Farm im Naturschutzgebiet Zasavica.
Und dann ist da noch der deutsche Milbenkäse aus Sachsen-Anhalt. Wie der Name verrät, reift dieser Käse mithilfe lebender Milben. Sie sondern ein Enzym ab, das die Außenschicht schwarz färbt. Verzehrt wird der Käse samt Milben – die geben dem Aroma seine berühmte Schärfe. Es soll Menschen geben, die ihn nicht teilen wollen.
Vom Käsewettrennen bis zur Royal-Hochzeit
In Cooper’s Hill im englischen Gloucestershire findet jedes Jahr ein Spektakel statt, bei dem ein runder Doppelglocesterkäse einen steilen Hügel hinabgerollt wird – und Hunderte Verrückte hinterher springen. Wer den Käse fängt oder als Erster unten ankommt, darf ihn behalten. Verletzungen sind Tradition, gebrochene Knochen jedes Jahr eingeplant. Niemand weiß, wann genau das Rennen begann – urkundlich erwähnt wurde es bereits 1826.
Auch Königshäuser pflegen ein gespanntes Verhältnis zum Käse. Königin Victoria bekam zur Hochzeit 1840 einen über 500 Kilogramm schweren Cheddar geschenkt. Sie war so geehrt, dass sie den Käse später durchs Land tingeln ließ, damit ihre Untertanen ihn bestaunen konnten. Am Ende wurde er ihr zurückgeschickt – sie lehnte dankend ab. Wo dieser Käse landete, ist bis heute ungeklärt.
So feierst du den Welt-Käse-Tag
Du musst keinen 26-Tonner Cheddar bestellen, um diesen Tag würdig zu begehen. Geh in eine richtige Käserei und lass dir Sorten empfehlen, die du noch nie probiert hast. Frag nach einem Bergkäse aus rohem Heumilchsaft, nach einem cremigen französischen Saint-Marcellin, nach einem nussigen Manchego. Käse schmeckt am intensivsten bei Zimmertemperatur – nimm ihn also mindestens eine Stunde vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank.
Wer es geselliger mag, lädt Freunde zu einem Käse-Tasting ein. Drei bis fünf Sorten, ein gutes Brot, ein paar Trauben, etwas Wein oder ein dunkles Bier – fertig ist das Mini-Festival. Wer experimentierfreudig ist, kann sich an Online-Bestellungen aus Frankreich, Italien oder Großbritannien wagen. Und wenn alles zu viel wird, gibt es immer noch den Klassiker: Käsetoast, Pfanne, fertig. Auch das ist Käseliebe.
Mehr als ein Belag aufs Brot
Käse erzählt seit über zehntausend Jahren die Geschichte der Menschheit. Von zufälligen Funden in Lederbeuteln nomadischer Hirten bis zu industriellen Cheddar-Bergen – kaum ein Lebensmittel verbindet so viele Kulturen. Heute am 4. Juni feiern wir, dass dieser bescheidene Klumpen geronnener Milch zu einem der vielfältigsten Genussmittel der Welt geworden ist. Und falls jemand fragt: Ja, du darfst heute zum dritten Mal in den Kühlschrank gucken.


