25.08.2026 — Nationalpark-Tag

Nationalpark-Tag am 25. August: Wie ein Millionär 1916 die US-Nationalparks rettete, eine Sägemühle sprengte und den Andrang von heute erfand.

Nationalpark-Tag

Nationalpark-Tag: Der Mann mit dem Dynamit

Kurz erklärt: Der Nationalpark-Tag am 25. August erinnert an den 25. August 1916. An diesem Tag unterzeichnete US-Präsident Woodrow Wilson den Organic Act und schuf damit den National Park Service, die erste Behörde der Welt, die ausschließlich für Nationalparks zuständig war. Erster Direktor wurde 1917 der Borax-Millionär Stephen Mather. Heute verwaltet die Behörde über 400 Schutzgebiete.

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Es gibt eine Fotografie aus dem August 1925, auf der ein Mann im Anzug in einem Bergtal in Montana steht und zusieht, wie eine Sägemühle in die Luft fliegt. Dreizehn Ladungen Dynamit, die Trümmer segeln über die Wiese, Hotelgäste und Ranger klatschen. Der Mann im Anzug ist kein Saboteur, sondern der oberste Chef der amerikanischen Nationalparks. Die Mühle gehörte ihm nicht. Sie gehörte einer Eisenbahngesellschaft, und die tobte anschließend, das sei das Willkürlichste, was je in einem Park passiert sei.

Stephen Mather hatte für solche Auftritte ein Talent. Und er hatte einen Grund: Er wollte diese Täler frei von Industrie sehen, komplett, ohne Kompromiss. Dass ausgerechnet er es war, der Straßen, Hotels und Reklame in die Wildnis brachte, gehört zu den ehrlicheren Widersprüchen der Naturschutzgeschichte.

Der größte Irrtum: der Brief, den es nie gab

Die Geschichte, die in fast jedem Text über die Gründung steht, geht so: Mather, reich geworden mit Borax-Waschmittel, wandert 1914 durch Yosemite und Sequoia, ist entsetzt über den Zustand, schreibt einen wütenden Beschwerdebrief an Innenminister Franklin K. Lane — und bekommt die legendäre Antwort: „Lieber Steve, wenn dir nicht gefällt, wie die Nationalparks geführt werden, komm nach Washington und führe sie selbst.“

Ein perfekter Satz. Nur ist er sehr wahrscheinlich nie geschrieben worden. Historiker haben den Briefwechsel nie gefunden. Was tatsächlich passierte, war unspektakulärer: Ein gemeinsamer Bekannter der beiden arrangierte ein Treffen in Chicago, dort bot Lane ihm den Posten an. Am Leben gehalten hat die Briefversion vor allem Horace Albright, Mathers rechte Hand und späterer zweiter Direktor — ein Mann, der sein ganzes Berufsleben lang wusste, dass eine gute Geschichte weiter trägt als ein Aktenvermerk.

Das ist mehr als eine Fußnote, denn es beschreibt das ganze Prinzip dieser Behörde. Der National Park Service wurde nicht durch Argumente gegründet, sondern durch Erzählung. Mather war kein Biologe und kein Förster. Er war der beste Werbefachmann, den der Naturschutz je hatte.

Warum Naturschutz zuerst Werbung brauchte

Der Zustand, den Mather vorfand, war absurd. Nationalparks gab es seit 1872, als Yellowstone unter Schutz gestellt wurde. Aber sie hingen in der Luft: kein eigenes Personal, kein Budget von Belang, keine gemeinsame Behörde. Wer zuständig war, hing vom Park ab; teilweise patrouillierte die Kavallerie. Zwischen den Wasserfällen standen Viehherden, Holzfäller schlugen Bäume, Bergleute leiteten Abwasser in die Flüsse. Ein Naturwunder ohne Hausmeister.

Mather sah, dass ihm im Kongress niemand Geld für Landschaften geben würde, die die Abgeordneten noch nie gesehen hatten. Also drehte er die Reihenfolge um: erst Publikum, dann Budget. Im Sommer 1915 lud er ein gutes Dutzend Kongressabgeordnete, Verleger, Industrielle und Journalisten zu einer zwölftägigen Zeltreise durch die Sierra Nevada ein — Steinofenbrot, Lagerfeuer, Bergpanorama, alles auf seine Rechnung. Die Runde ging als „Mather Mountain Party“ in die Geschichte ein, und sie funktionierte. Wer zwei Wochen zwischen Mammutbäumen geschlafen hat, stimmt anders ab.

Parallel baute er eine Presseabteilung auf und bezahlte deren Gehälter zeitweise aus der eigenen Tasche, weil das Amt sie nicht finanzieren konnte. Er kaufte private Grundstücke und Straßen und schenkte sie dem Staat. Und er warb offensiv fürs Autofahren im Park: Wer bequem hineinfahren kann, kommt wieder, erzählt davon und wählt Leute, die Parks finanzieren. Das war kein Ausrutscher, das war die Strategie.

Dreizehn Ladungen für eine Sägemühle

Die Sprengung von 1925 im Glacier-Nationalpark war die andere Hälfte derselben Person. Im Many-Glacier-Tal stand seit dem Hotelbau eine Sägemühle der Eisenbahngesellschaft, die seit rund zehn Jahren niemand mehr benutzte. Sie stand einfach da, verrostete und verstellte die Sicht. Anfragen brachten nichts.

Mather reiste an, ließ die Trailcrew Sprengsätze in Mühle und Holzstapel legen und lud Publikum ein: Ranger, Anwohner, Hotelgäste. Seine Tochter hatte Geburtstag und war dabei. Dann zündeten sie. Es war reine Machtdemonstration — eine Behörde, die es seit neun Jahren gab, machte klar, wem das Tal gehörte. Die Eisenbahn beschwerte sich bis nach Washington und kam damit nicht durch.

Was von Mathers Deal heute übrig ist

Sein Plan ging vollständig auf, und genau das ist das Problem. Über 320 Millionen Besuche zählten die US-Schutzgebiete zuletzt in einem einzigen Jahr. Der Yosemite-Nationalpark hat an Sommertagen mehr Verkehr als manche Kleinstadt, und ausgerechnet im Glacier-Nationalpark, wo Mather die Mühle sprengte, darf man an der beliebtesten Passhöhe inzwischen nur noch drei Stunden parken, damit überhaupt jemand nachrücken kann. Zeitfenster-Tickets, Shuttlebusse, Lotterien für einzelne Wanderwege: Die Werkzeuge gegen den Andrang sind heute wichtiger als die Werkzeuge gegen die Industrie.

Man kann das als Scheitern lesen. Wahrscheinlich ist es eher der Preis, den Mather bewusst bezahlt hat. Ein Park, den niemand kennt, ist politisch nicht zu verteidigen — der erste Nationalpark der Welt bekam seinen Schutz nicht zuletzt, weil eine Eisenbahngesellschaft Touristen dorthin bringen wollte. Schutz ohne Publikum funktioniert selten. Schutz mit Publikum kostet genau das, was man schützen wollte, ein Stück weit mit.

Der 25. August ist deshalb kein reiner Jubeltag. Er erinnert an eine Behörde, die aus einer Erzählung entstand, an einen Mann, der Dynamit und Hochglanzbroschüren gleichermaßen einsetzte, und an eine Rechnung, die bis heute nicht aufgeht. Wer das nächste Mal an einem schönen Aussichtspunkt in der Schlange steht: Das ist kein Betriebsunfall. Das ist der Plan, und er ist über hundert Jahre alt.

Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.



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