12.09.2026 — Welttag der Ersten Hilfe

Welttag der Ersten Hilfe am 12. September 2026: Warum die Erste-Hilfe-Puppe Resusci Anne das Gesicht einer Toten trägt, die niemand retten konnte.

Welttag der Ersten Hilfe

Welttag der Ersten Hilfe: Das meistgeküsste Gesicht

Kurz erklärt: Der Welttag der Ersten Hilfe fällt immer auf den zweiten Samstag im September, 2026 also auf den 12. September. Ausgerufen hat ihn im Jahr 2000 die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, heute wird er in über 150 Ländern begangen. Das Motto 2026 lautet „Erste Hilfe im Kontext von Migration“. Ziel des Tages: Laien sollen sich trauen, im Notfall anzufangen.

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Wenn du in Deutschland einen Führerschein besitzt, hast du auf dem Boden eines Schulungsraums gekniet und einer Plastikpuppe Luft in den Mund geblasen. Wahrscheinlich hat dabei jemand gekichert. Und ziemlich sicher hast du dich nie gefragt, warum sie so aussieht: eine junge Frau mit halb geschlossenen Augen und einem Lächeln, das viel zu ruhig ist für jemanden, der gerade wiederbelebt wird.

Das Gesicht hat eine Vorgeschichte. Sie beginnt an einem Steg in Norwegen und endet in einem Pariser Leichenschauhaus, in dieser Reihenfolge.

Ein Steg in Norwegen und ein Kind, das nicht atmet

Stavanger, 1955. Åsmund Lærdal ist Verleger und Spielzeugmacher: angefangen 1940 mit Glückwunschkarten, dann Holzautos, dann Puppen aus weichem Vinyl. Sein bekanntestes Modell heißt Anne. An diesem Tag fällt sein zweijähriger Sohn Tore ins Wasser und wird bewusstlos herausgezogen. Lærdal dreht ihn mit dem Kopf nach unten, bis die Atemwege frei sind, und wärmt ihn am eigenen Körper. Tore überlebt.

Vier Jahre später klopfen zwei Ärzte an. Der Anästhesist Bjørn Lind und sein Kollege Peter Safar haben etwas entwickelt, das damals revolutionär ist: Atemspende plus Druck auf den Brustkorb, heute Herz-Lungen-Wiederbelebung genannt. Sie haben nur ein grundsätzliches Problem: Üben lässt sich das an keinem gesunden Menschen, ohne ihm zu schaden. Ein Verfahren, das niemand trainieren darf, rettet niemanden. Sie brauchen einen Menschen aus Plastik, der nachgibt wie ein Brustkorb — und kennen genau einen Mann, der so etwas bauen kann.

Warum die Puppe das Gesicht einer Toten trägt

Lærdal baut den Körper. Über das Gesicht denkt er länger nach, aus einem sehr nüchternen Grund: Damals gehört die Mund-zu-Mund-Beatmung zwingend dazu, und Männer, so seine Vermutung, würden sich weigern, einen männlichen Kopf zu küssen. Also eine Frau. Eine, die niemandem gehört und über die keine Geschichte im Weg liegt.

Er erinnert sich an eine Maske, die bei seinen Großeltern hing: die Unbekannte aus der Seine, eine junge Frau, um 1900 tot aus dem Pariser Fluss gezogen. Kein Name, keine Angehörigen, keine Todesursache. Ein Angestellter des Leichenschauhauses fand ihr Gesicht so schön, dass er einen Gipsabguss nehmen ließ. Der Abguss wurde zum Verkaufsschlager: Bald hing die Unbekannte in halb Europa über den Sofas, Rilke schrieb über ihr Lächeln, später auch Nabokov. Sie war das berühmteste Gesicht ihrer Zeit, nur eben tot.

Genau diese Maske lässt Lærdal von der Bildhauerin Emma Matthiasen nachmodellieren. Im Mai 1960 stellt er das Ergebnis beim ersten internationalen Wiederbelebungssymposium in Stavanger vor: Resusci Anne. Ein Vater, der sein Kind aus dem Wasser zurückbekam, gibt der Rettungspuppe das Gesicht eines Menschen, den niemand zurückgeholt hat. Nach Herstellerangaben haben an ihr und ihren Nachfolgerinnen über 500 Millionen Menschen geübt. Das meistgeküsste Gesicht der Welt gehört einer Frau, deren Namen wir nie erfahren werden.

Die Angst, etwas falsch zu machen, kostet mehr als jeder Fehler

Und jetzt der Teil, um den es an diesem Tag eigentlich geht. Bei Herzstillständen außerhalb einer Klinik fing 2024 in Deutschland etwa jede zweite anwesende Person mit der Wiederbelebung an: 52 Prozent im Deutschen Reanimationsregister. Bester Wert seit Jahren, und trotzdem beschämend — in Norwegen, Schweden und den Niederlanden sind es 70 bis 80 Prozent. Es liegt nicht an besseren Geräten. Dort fangen mehr Leute einfach an.

Der Grund fürs Zögern ist fast immer derselbe: die Sorge, etwas falsch zu machen. Der einzige echte Fehler ist aber, nichts zu tun. Ohne Blutfluss verliert das Gehirn binnen Minuten Zellen, die nicht wiederkommen, und der Rettungsdienst braucht länger als diese Minuten. Merken muss man sich drei Wörter: prüfen, rufen, drücken. Reagiert jemand nicht und atmet nicht normal: 112 wählen, dann mit gestreckten Armen in die Mitte des Brustkorbs drücken, 100- bis 120-mal pro Minute, fünf bis sechs Zentimeter tief. Beatmen muss man als Laie heute nicht mehr. Ausgerechnet der Kuss, für den Resusci Anne ihr Gesicht bekam, ist inzwischen optional.

So feierst du den Welttag der Ersten Hilfe

Der ehrlichste Weg: Buch einen Kurs. Seit dem 1. April 2015 gibt es in Deutschland nur noch einen einheitlichen Erste-Hilfe-Kurs, neun Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Ein Samstag. Deiner ist vermutlich so alt wie dein Führerscheinfoto.

Wenn das heute nicht drin ist, geht die kleine Version. Schau nach, wo in deinem Bürogebäude oder deinem Bahnhof der Defibrillator hängt. Übe die stabile Seitenlage einmal auf dem Wohnzimmerteppich. Und dreh „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees auf: 103 Schläge pro Minute, exakt der Takt, in dem gedrückt wird. Der makaberste Merksatz der Medizingeschichte und der einzige, den nie jemand vergisst.

Wer diesen Tag erfunden hat und warum er auf einen Samstag fällt

Hinter dem Welttag steht die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, die seit 2000 am zweiten Samstag im September für Erste Hilfe wirbt. Der Samstag ist kein Zufall: Unter der Woche blieben die Übungsstationen in Fußgängerzonen und Bahnhöfen leer, und genau dort sollen sie stehen.

Gefeiert wird damit weniger eine Technik als eine Zumutung: dass in den entscheidenden Minuten kein Profi zuständig ist, sondern wer zufällig danebensteht. Åsmund Lærdal gab 1978 sein Spielzeuggeschäft ganz auf und baute nur noch Rettungsmaterial. Ein Mann, der einmal am Wasser gekniet hat, wollte, dass beim nächsten Mal jemand anders die Handgriffe kennt.

Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.




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