14.05.2026 — Hühnertanz-Tag

Hühnertanz-Tag am 14. Mai: Wie aus dem Schweizer Ententanz von 1957 der berühmteste Wedding-Dance der Welt wurde. Geschichte, Fakten und Tanz-Tipps.

Hühnertanz-Tag

Hühnertanz-Tag: Wenn Enten plötzlich Hühner werden

Kurz erklärt: Der Hühnertanz-Tag (englisch „Dance Like a Chicken Day“) wird jedes Jahr am 14. Mai gefeiert. Komponiert wurde der zugehörige Ohrwurm 1957 vom Schweizer Akkordeonisten Werner Thomas — und zwar als „Ententanz“, nicht als Hühnertanz. Den Hühner-Namen verdankt der Song einem Zufall im Jahr 1981 in Tulsa, Oklahoma, als ein Lokalsender für einen Oktoberfest-Auftritt nur ein Hühnerkostüm zur Hand hatte.

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Hand aufs zappelnde Herz: Wann hast du das letzte Mal die Daumen-Zeigefinger-Schnabel-Choreographie aufgeführt, dabei die Ellenbogen wie einen verrückten Federvieh-Vogel geflattert und dich zum Schluss einmal komplett um die eigene Achse gedreht? Auf einer Hochzeit? Auf der Kirmes? Beim Betriebsausflug, als der Chef plötzlich auf der Tanzfläche stand und niemand wusste, ob man jetzt mitmachen muss oder lieber dezent zur Toilette verschwindet? Egal — heute ist der Tag, an dem du es offiziell und ohne schlechtes Gewissen tun darfst. Heute ist der 14. Mai, und der 14. Mai gehört dem berühmtesten Federvieh-Tanz aller Zeiten.

Der Hühnertanz ist eines dieser Phänomene, die niemand so richtig erklären kann. Er ist albern. Er ist kindisch. Er sieht aus, als hätte ein Mensch im Erdgeschoss vergessen, wie Bewegungen funktionieren. Und trotzdem reicht der erste Akkordeon-Ton, und plötzlich stehen drei Generationen einer Familie auf dem Parkett und flattern synchron mit den Armen. Dieser Tag ist eine Liebeserklärung an genau diesen Moment der kollektiven Würdelosigkeit — und das ist, ehrlich gesagt, ziemlich schön.

Aus dem Ententanz wurde ein Hühnertanz — und schuld ist Tulsa

Die wahrscheinlich kurioseste Tatsache zuerst: Der Hühnertanz war nie ein Hühnertanz. Komponiert hat das Stück 1957 der Schweizer Akkordeonist Werner Thomas, und der Originaltitel lautete „Der Ententanz“. Thomas spielte das Lied jahrelang in Schweizer Restaurants und Hotels, bevor es in den späten 1970er-Jahren langsam Karriere machte. In Deutschland und Österreich liefen Variantennamen wie „Vogerltanz“ oder eben „Ententanz“ ganz unaufgeregt vor sich hin.

Dann kam 1981. In Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma fand ein Oktoberfest statt — ja, in Oklahoma feiert man Oktoberfest, das gehört zur amerikanischen Folklore wie Cowboy-Hut zu Stetson. Ein lokaler Fernsehsender wollte einen Tänzer im Tierkostüm auf die Bühne stellen, fand aber kurzfristig kein Entenkostüm. Was sie hatten: ein Hühnerkostüm. Der Tänzer zog es an, flatterte dazu, das Publikum war begeistert — und ab diesem Moment hieß das Lied in den USA „The Chicken Dance“. Der Name reiste zurück über den Atlantik, und seitdem streiten Deutsche, Schweizer und Österreicher höflich darüber, ob es jetzt Enten, Hühner oder einfach Vögel sind. Die korrekte Antwort lautet: Es ist alles egal, solange genug Bier im Spiel ist.

Über 40 Millionen Schallplatten — ein albernes Lied wird zur Weltmacht

Werner Thomas dürfte 1957 nicht im Traum geahnt haben, was aus seiner kleinen Akkordeon-Improvisation werden würde. Heute existieren weltweit über 140 offizielle Aufnahmen des Songs in unterschiedlichen Sprachen und Versionen. Die kumulierten Verkaufszahlen aller Pressungen liegen bei über 40 Millionen Tonträgern — ein Wert, den selbst manche Rolling-Stones-Alben nicht erreichen. Sogar Walt Disney Records hat eine eigene Version veröffentlicht.

In jedem Land klingt der Hühnertanz ein bisschen anders. In Spanien heißt er „Baile de los Pajaritos“ und ist eine echte Sommerhit-Institution. In Frankreich tanzt man die „Danse des Canards“. In den Niederlanden sprechen sie vom „Vogeltjesdans“. In Brasilien hat das Stück sogar Karnevals-Ehrungen erhalten. Es gibt Hochzeiten, auf denen die Brautmutter nicht eher zufrieden ist, bevor nicht alle Gäste mindestens einmal gemeinsam geflattert haben. Und es gibt Familienfeiern, auf denen der Onkel jedes Jahr aufs Neue glaubt, er habe diesen Tanz erfunden.

Sport-Stadien, Schulpausen und der ewige Hochzeits-Klassiker

Die wahre Macht des Hühnertanzes zeigt sich allerdings nicht in den Verkaufszahlen, sondern in seiner Reichweite jenseits der Tanzfläche. In den USA wird das Lied regelmäßig in Baseball- und Football-Stadien zwischen den Innings gespielt, und das gesamte Stadion flattert mit. In deutschen Grundschulen ist der Hühnertanz fester Bestandteil des Sportunterrichts, weil Lehrkräfte schnell gemerkt haben: Kein Kind kann diesem Lied widerstehen. Auf Faschings-Umzügen, Schützenfesten, im Après-Ski-Lokal und natürlich auf jeder zweiten deutschen Hochzeit ist er gesetzt.

Es gibt sogar Studien, die untersucht haben, warum genau dieser Tanz Menschen zusammenbringt. Die Antwort ist banal: Er ist einfach. Du brauchst keine Tanzschule, keine Vorkenntnisse, kein rhythmisches Talent. Vier Bewegungen, ein bisschen Drehung, ein bisschen Klatschen — fertig. Er reduziert die Hemmschwelle so weit, dass selbst Leute, die sonst nie tanzen würden, plötzlich auf der Tanzfläche stehen. Genau das macht ihn zum perfekten Eisbrecher und zum unbestrittenen König aller Familienfest-Tänze.

So feierst du den Hühnertanz-Tag

Der schönste Weg, den Tag zu begehen, ist auch der offensichtlichste: Mach den Tanz. Heute, mindestens einmal. Egal wo. Im Wohnzimmer, im Büro, in der U-Bahn — gut, vielleicht nicht in der U-Bahn. Spiel die Originalversion ab, schnapp dir die Familie, die Mitbewohner oder den Hund, und flatter dich für drei Minuten in einen besseren Tag. Falls du dich allein zu Hause schämst: Niemand sieht dich. Falls du dich draußen schämst: Such dir Mitmacher. Würde verbreitet sich nämlich umgekehrt — je mehr Leute mitmachen, desto würdiger wird die Sache plötzlich.

Lust auf Bonus-Punkte? Lade Freunde zu einem Hühnertanz-Wettbewerb ein und kürt die albernste Performance. Oder veranstalte einen Mini-Karaoke-Abend, bei dem das Lied einmal in jeder Sprache laufen muss, die ihr finden könnt — Spanisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch, alles ist erlaubt. Wer am Ende noch immer nicht müde ist, schaut sich das Hühner-Kostüm-Original-Video aus Tulsa von 1981 an und huldigt dem unbekannten Tänzer, dem wir das alles zu verdanken haben. Und am wichtigsten: Mach ein Video. Schick es deiner Mutter. Sie wird es lieben — und dich vermutlich am nächsten Familienfest darauf ansprechen.

Der Hühnertanz-Tag ist nichts für Coole. Er ist nichts für Würdige. Er ist nichts für Leute, die Tanzen ernst nehmen. Er ist für alle anderen — also für uns. Heute darfst du flattern, ohne dich zu erklären. Wenn das nicht der schönste Grund für einen 14. Mai ist, dann weiß ich auch nicht.

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