30.08.2026 — Frankenstein-Tag

Frankenstein-Tag am 30. August: Wie Mary Shelley mit 18 am Genfersee das Monster erfand und warum ihr Name erst 5 Jahre nach dem Buch darauf stand.

Frankenstein-Tag

Frankenstein-Tag: Das Monster kam ohne Namen

Kurz erklärt: Der Frankenstein-Tag fällt jedes Jahr auf den 30. August, den Geburtstag von Mary Shelley (1797 bis 1851). Die Geschichte entstand im Juni 1816 am Genfersee, bei einem Wettbewerb um die beste Gespenstergeschichte. Frankenstein oder Der moderne Prometheus erschien am 1. Januar 1818 anonym in 500 Exemplaren. Shelleys Name stand erst ab der zweiten Auflage 1823 auf dem Titelblatt.

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Zwei Wesen in dieser Geschichte haben keinen Namen. Das eine ist gut zwei Meter groß, aus Leichenteilen zusammengesetzt und wird bis heute falsch angesprochen. Das andere ist eine junge Frau, die den berühmtesten Schauerroman der Weltliteratur geschrieben hat und fünf Jahre lang nicht auf dem Umschlag stehen durfte.

Die eine Namenlosigkeit war Absicht und ist der Kern des Romans. Die andere war Gewohnheit, und sie hat länger gehalten.

Die Zahl, die alles erklärt: Sie war 18

Der Sommer 1816 war kein Sommer. Ein Jahr zuvor hatte der indonesische Vulkan Tambora so viel Asche in die Atmosphäre geschossen, dass halb Europa unter einem grauen Deckel lag. In der Geschichtsschreibung heißt es das Jahr ohne Sommer: Missernten, Hungersnöte, Dauerregen im Juni.

In der Villa Diodati am Genfersee saß deshalb eine kleine Reisegesellschaft fest: Lord Byron, sein Leibarzt John Polidori, Percy Bysshe Shelley, dessen Stiefschwägerin Claire Clairmont — und die 18-jährige Mary Godwin. Man las sich gegenseitig deutsche Gespenstergeschichten vor, bis Byron irgendwann den Satz sagte, der Literaturgeschichte machte: Jeder von uns schreibt eine Geistergeschichte.

Und dann passierte bei Mary tagelang: nichts. In der Einleitung zur Ausgabe von 1831 hat sie es selbst festgehalten. Jeden Morgen wurde sie gefragt, ob sie schon eine Geschichte habe, und jeden Morgen musste sie mit einem, wie sie es nannte, demütigenden Nein antworten.

Die Idee kam in der Nacht zum 16. Juni, irgendwann zwischen zwei und drei Uhr. Mary lag wach und sah, mit offenen Augen, wie sie betonte, einen blassen Studenten neben dem Ding knien, das er zusammengesetzt hatte — und vor seinem eigenen Werk zurückschrecken. Aus derselben Nacht ging ein zweites Ungeheuer hervor: Polidoris Der Vampyr erfand den eleganten Vampir der Popkultur.

Fünf Jahre ohne ihren Namen

Am Neujahrstag 1818 lag das Buch in den Londoner Läden. In drei Bänden, in einer Auflage von 500 Stück, ohne Verfasserangabe. Das Vorwort hatte Percy Shelley geschrieben, gewidmet war das Werk Marys Vater William Godwin. Für die Leserschaft war die Rechnung naheliegend: Vorwort von Shelley, Widmung an Godwin — also hat der Dichter das geschrieben.

Genau dieser Fehlschluss landete in der ersten großen Besprechung. Walter Scott, damals der bekannteste Autor Großbritanniens, lobte den Roman im März 1818 überschwänglich und hielt den Ehemann für den Verfasser. Mary Shelley schrieb ihm einen bemerkenswert höflichen Brief: Sie sei bemüht, ihn davor zu bewahren, weiterhin Mr. Shelley eines jugendlichen Versuchs von ihr für schuldig zu halten.

Erst 1823 änderte sich das, und der Anstoß kam von der Bühne: Im Juli lief in London eine Dramatisierung an und wurde zum Publikumshit. Das machte eine zweite Auflage lukrativ. William Godwin organisierte sie, während seine Tochter noch in Italien war — inzwischen Witwe, Percy war im Jahr zuvor ertrunken. Auf diesem Titelblatt stand zum ersten Mal ihr voller Name: Mary Wollstonecraft Shelley. Zugleich stand der Name ihrer Mutter, der Philosophin Mary Wollstonecraft, zum ersten Mal auf einem Buchdeckel. Die war elf Tage nach Marys Geburt gestorben.

Warum Frankenstein nicht das Monster ist

Victor Frankenstein ist der Erschaffer. Sein Geschöpf bekommt im ganzen Roman keinen Namen — es heißt Kreatur, Dämon, Elender, Ding, es. Diese Namenlosigkeit ist kein Versehen, sondern der Kern des Buches: Wer etwas erschafft und ihm nicht einmal einen Namen gibt, hat es endgültig im Stich gelassen.

Die Bühne machte daraus sofort einen Effekt: Auf dem Theaterzettel von 1823 stand an der Stelle des Geschöpfs in der Rollenliste nur ein Strich. Mary Shelley sah eine Vorstellung und schrieb amüsiert an einen Freund, diese namenlose Art, das Unnennbare zu benennen, sei ziemlich gut. Dass hundert Jahre später trotzdem alle Welt den Kerl mit den Schrauben am Hals Frankenstein nennen würde, hätte sie vermutlich auch ziemlich gut gefunden.

Drei Fragen, die beim Frankenstein-Tag immer kommen

Warum ausgerechnet der 30. August? Weil Mary Shelley an diesem Tag 1797 in London geboren wurde. Der Tag hat keine Gründungsurkunde und keinen Verein dahinter — er hat sich über Bibliotheken und Buchläden eingebürgert, als Geburtstagsfeier statt als Gruseltermin.

Ist Frankenstein wirklich Science-Fiction? Nach gängiger Lesart ja, und zwar der erste Roman dieser Art. Kein Fluch, keine Dämonen, keine Magie: Was den Toten belebt, ist die Wissenschaft ihrer Zeit — Chemie, Anatomie, Elektrizität.

Gibt es die Villa noch? Ja. Die Villa Diodati steht in Cologny oberhalb von Genf, in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Was von diesem verregneten Sommer geblieben ist

Als Gruselklassiker abgelegt, verliert der Roman seinen eigentlichen Punkt. Victor Frankenstein ist kein Bösewicht. Er ist ein hochbegabter junger Mann, der etwas baut, weil er es bauen kann, und dann merkt: Erschaffen war der leichte Teil. Die schwere Frage kommt danach — was schuldest du dem, was du in die Welt gesetzt hast?

Diese Frage ist in zweihundert Jahren nicht kleiner geworden. Sie steht über Gentechnik, über Kernkraft, über jeder Maschine, die mehr kann, als ihre Erbauer überblicken. Eine 18-Jährige hat sie in einem verregneten Juni gestellt, beantwortet ist sie bis heute nicht.

Der 30. August ist deshalb ein guter Anlass für eine kleine Korrektur. Frankenstein ist nicht das Monster. Und die Frau, die beide erfunden hat, hieß nicht Anonym.

Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.



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