11.07.2026 — Weltbevölkerungstag

Am Weltbevölkerungstag wurde 1987 ein Baby in Zagreb zum fünfmilliardsten Menschen ernannt. Seine Geschichte und warum die alte Angst gerade kippt.

Weltbevölkerungstag

Weltbevölkerungstag: Das Baby Nummer 5 Milliarden

Kurz erklärt: Der Weltbevölkerungstag fällt jedes Jahr auf den 11. Juli. Ausgelöst hat ihn ein einziges Baby: Am 11. Juli 1987 überschritt die Menschheit rechnerisch die Fünf-Milliarden-Marke, symbolisch verkörpert durch den Neugeborenen Matej Gašpar in Zagreb. Zwei Jahre später, 1989, machte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen daraus einen festen Aktionstag für Themen wie Bevölkerungswachstum, Gesundheit und Gleichberechtigung.

Video: WeltbevölkerungstagMit Klick wird YouTube geladen — Datenübertragung an Google

Es ist 8:35 Uhr an einem Sommermorgen, Petrova-Klinik in Zagreb, damals noch Jugoslawien. Ein Junge kommt zur Welt, 3.600 Gramm, 53 Zentimeter — völlig normal. Bis wenige Stunden später der Generalsekretär der Vereinten Nationen persönlich anreist, das Baby hochhebt und vor laufenden Kameras verkündet: Dieses Kind ist der fünfmilliardste Mensch der Erde. Der kleine Matej hat nichts getan, außer geboren zu werden. Und wurde damit zum berühmtesten Neugeborenen des Jahres. Wie kommt man auf so eine Zahl — und was wurde eigentlich aus dem Jungen?

Die Zahl, die alles erklärt

1987 waren wir fünf Milliarden. Heute, keine 40 Jahre später, sind wir über acht Milliarden — die Marke fiel im November 2022. Anders gesagt: In der Lebenszeit eines einzigen Menschen ist die Weltbevölkerung um mehr als drei Milliarden gewachsen. Das ist das Tempo, das die Vereinten Nationen 1989 so beunruhigte, dass sie den 11. Juli zum jährlichen Mahn- und Aktionstag erklärten.

Doch eine Zahl allein sagt wenig. Interessant wird sie erst, wenn man fragt, wer da eigentlich mitzählt — und was passiert, wenn das Wachstum, das man jahrzehntelang fürchtete, plötzlich in die andere Richtung kippt. Genau das ist gerade dabei zu geschehen. Aber der Reihe nach.

Ein Baby als Weltsymbol

Warum ausgerechnet Zagreb? Ganz banal: In der Stadt lief zu jener Zeit die Studenten-Weltspiele-Universiade, die Weltpresse war ohnehin vor Ort. Also griff man sich symbolisch ein Neugeborenes aus der örtlichen Klinik. Javier Pérez de Cuéllar, der damalige UN-Generalsekretär, nahm Matej auf den Arm — und das Foto ging um die Welt.

Natürlich hat niemand die Menschheit durchgezählt. Der fünfmilliardste Mensch ist eine Hochrechnung, ein statistischer Stellvertreter für ein unfassbares Ereignis. Genauso wurde 1999 ein Junge in Sarajevo zum sechsmilliardsten und 2022 ein Mädchen auf den Philippinen zum achtmilliardsten Menschen ernannt. Es ist reine Symbolik — aber Symbolik, die wirkt: Aus einem einzelnen Baby wurde ein globaler Feiertag, der bis heute Milliarden Menschen einen Tag im Kalender widmet.

Die Angst, die sich umdrehte

1987 hatte die Welt Angst vor der „Bevölkerungsbombe“: ungebremstes Wachstum, das Ressourcen, Nahrung und Klima sprengt. Die Warnung war laut, und sie war ernst gemeint. Doch heute zeigt sich die überraschende Wende — die Kurve knickt ab. In vielen Ländern liegt die Geburtenrate längst unter dem Wert, der die Bevölkerung stabil hält. Japan, Italien, Südkorea und Deutschland schrumpfen bereits oder halten sich nur durch Zuwanderung.

Fachleute erwarten heute, dass die Menschheit irgendwann in den 2080er-Jahren bei rund zehn Milliarden ihren Höhepunkt erreicht — und danach erstmals seit Jahrhunderten wieder kleiner wird. Die Sorge hat sich verschoben: Wo man früher zu viele Menschen fürchtete, diskutieren manche Länder heute über zu wenige. Der Weltbevölkerungstag ist deshalb längst kein reiner Warntag mehr, sondern ein Tag über Gleichberechtigung, Bildung und die Frage, wie wir alt werden.

Was wurde aus dem Fünf-Milliarden-Baby?

Und Matej? Er wuchs in Zagreb auf, studierte Chemie, schnorchelt gern. Über seinen Sonderstatus sagte er einmal trocken, das Einzige, was seinen Geburtstag von anderen unterscheide, seien die Anrufe von Journalisten. Bis er 18 war, wimmelte seine Mutter die Presse ab, danach machte er es selbst. Als Erwachsener sprach er offen über etwas sehr Gewöhnliches: Wie viele junge Kroaten konnte er sich lange keine eigene Wohnung leisten.

Genau darin liegt die Pointe des Tages. Der berühmteste Mensch der Statistik ist im Grunde ein völlig normaler Typ mit ganz normalen Sorgen. Acht Milliarden Menschen — das sind keine abstrakten Zahlen, sondern acht Milliarden Leben wie das von Matej. Der Weltbevölkerungstag will genau diesen Perspektivwechsel: von der Statistik zurück zum einzelnen Menschen.

So feierst du den Weltbevölkerungstag

Du musst dafür keine Demografie studieren. Wirf einen Blick auf einen Bevölkerungszähler im Netz und lass ein paar Sekunden lang die Zahl hochspringen — das relativiert den eigenen Alltag erstaunlich schnell. Wer mag, informiert sich über Organisationen, die sich für Bildung und Gesundheit von Frauen weltweit einsetzen, denn genau das bremst unkontrolliertes Wachstum am wirksamsten.

Und dann ist da noch die einfachste Feier von allen: einmal kurz innehalten und sich klarmachen, dass jede dieser acht Milliarden ein Morgen mit einem Kaffee, einer To-do-Liste und irgendeiner leisen Hoffnung beginnt. Ganz so wie du gerade.

Kurz gefragt

Wer war das Fünf-Milliarden-Baby? Matej Gašpar, geboren am 11. Juli 1987 in Zagreb. Er wurde symbolisch zum fünfmilliardsten Menschen erklärt — und lebt heute ein bewusst unspektakuläres Leben.

Wächst die Menschheit für immer weiter? Voraussichtlich nicht. Der Höhepunkt wird gegen Ende dieses Jahrhunderts bei etwa zehn Milliarden erwartet, danach dürfte die Zahl erstmals seit Langem wieder sinken.




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