
Tag der schwarzen Katze: Nicht der Teufel, die Kamera
Kurz erklärt: Der Tag der schwarzen Katze, im Original Black Cat Appreciation Day, fällt jedes Jahr auf den 17. August. Gegründet hat ihn 2011 der US-Amerikaner Wayne H. Morris, zum Gedenken an seine Schwester June, die an einem 17. August starb und einen schwarzen Kater namens Sinbad hatte. Der Tag wirbt für die Vermittlung schwarzer Katzen — jener Fellfarbe, die in Tierheimen am längsten sitzen bleibt.
Frag zehn Leute, warum es schwarze Katzen im Tierheim schwerer haben, und du bekommst zehnmal dieselbe Antwort: Aberglaube. Hexen, Pech, die Katze von links. Das klingt so plausibel, dass es kaum jemand nachprüft. Genau das hat kürzlich ein Forschungsteam getan — und die Schuld landete an einer Stelle, mit der niemand gerechnet hatte. Nicht im Mittelalter. In der Kameralinse.
Die Zahl, die alles erklärt: zehn Prozent
Dass schwarze Katzen es schwerer haben, ist keine Tierheim-Legende, sondern ausgezählt. Eine Auswertung von fast 8000 Katzen eines städtischen Tierheims in Kentucky nennt für weiße Katzen eine Vermittlungsquote von 18,8 Prozent, für graue, braune und rote je rund 13 — und für schwarze 10,0. Beim traurigsten Wert dreht sich die Reihenfolge exakt um: Bei den schwarzen lag die Einschläferungsrate am höchsten, bei den weißen am niedrigsten.
Ehrlicherweise gehört dazu, dass dieselbe Studie den Effekt selbst einordnet: Über den ganzen Datensatz erklärt die Fellfarbe nur einen kleinen Teil davon, wie es einer Katze im Heim ergeht — Alter, Gesundheit und Zutraulichkeit wiegen schwerer. Der Nachteil ist real, aber er ist ein Nachteil und kein Fluch. Nebenbei zerlegt dieselbe Auswertung eine zweite hübsche Annahme: Über 1200 komplett schwarze Katzen wurden im Oktober kein bisschen häufiger vermittelt als sonst. Der berühmte Halloween-Boom findet schlicht nicht statt.
Der Aberglaube, den ein Papst nie befohlen hat
Wenn irgendwo erklärt wird, woher die Angst vor schwarzen Katzen kommt, taucht fast immer derselbe Satz auf: Papst Gregor IX. habe 1233 die Ausrottung schwarzer Katzen angeordnet, Europa habe daraufhin seine Katzen getötet, die Ratten hätten sich vermehrt und die Pest gebracht. Eine großartige Geschichte. Sie hat nur ein Problem: Das Dokument, auf das sie sich beruft, sagt das nicht.
Vox in Rama ist echt, ein Schreiben vom Juni 1233 über eine Ketzergruppe in Deutschland, und darin steht die reichlich abseitige Schilderung eines Aufnahmerituals mit einer schwarzen Katze. Was nicht darin steht: irgendeine Anweisung, Katzen etwas anzutun. Für europaweite Katzen-Pogrome gibt es nach heutigem Forschungsstand keine Belege, und die Pest-Kette wurde erst um die Jahrtausendwende populär — über ein einzelnes Buch und danach über das Internet. Der Aberglaube ist alt. Seine Entstehungsgeschichte ist selbst zur Hälfte Aberglaube.
Warum die Kamera schwarze Katzen im Stich lässt
2026 hat ein Forschungsteam den Verdacht sauber getestet. Tausend Menschen bekamen vierzig echte Vermittlungsfotos vorgelegt, jeweils zehn schwarze, weiße, rot getigerte und braun getigerte Katzen. Zu jedem Bild sollten sie sagen, welches Gefühl das Tier zeigt, wie sicher sie sich dabei sind und wie wahrscheinlich es in zwei Wochen ein Zuhause findet. Zusätzlich wurde erhoben, wie abergläubisch die Befragten sind.
Das Ergebnis: Die schwarzen Katzen schnitten bei der geschätzten Vermittlungschance klar am schlechtesten ab. Man las ihnen häufiger Angst und Wut ins Gesicht — und war sich bei genau diesen Bildern am unsichersten. Der Aberglaube dagegen sagte gar nichts vorher: Wer an Pech durch schwarze Katzen glaubte, bewertete sie nicht schlechter als alle anderen. Übrig bleibt eine Erklärung, die banal klingt und deshalb so lange übersehen wurde: Man erkennt auf dem Foto nicht, was die Katze fühlt, und was man nicht lesen kann, wählt man nicht aus. Schwarzes Fell schluckt Licht, statt es zurückzuwerfen. Augen, Schnurrhaare, ein leicht schiefer Mundwinkel — alles, woran wir eine Katze einschätzen, verschwindet in derselben Fläche. Übrig bleibt ein Schatten mit Ohren.
Kurz gefragt: Was stimmt über schwarze Katzen?
Sind sie im Wesen anders? Nein, ein belegter Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Charakter existiert nicht. Sind sie gesünder? Vielleicht: Der Melanismus bei Katzen geht auf Veränderungen an Genen zurück, deren Verwandte beim Menschen mit der Virenabwehr zu tun haben. Daraus wurde die These, schwarzes Fell sei ein Nebeneffekt von Krankheitsresistenz. Bewiesen ist sie nicht.
Und die Halloween-Sache? Manche Tierheime vermittelten im Oktober jahrelang keine schwarzen Katzen, aus Sorge vor Ritualen. Dokumentierte Fälle gibt es kaum — dafür einen gut dokumentierten Nebeneffekt: Ein Vermittlungsstopp im vollsten Monat des Jahres schadet genau den Tieren, die er schützen soll.
So feierst du den Tag der schwarzen Katze
Die wirksamste Handlung dauert an diesem Tag zwei Minuten: eine schwarze Katze anständig fotografieren. Nicht blitzen — der Blitz frisst die Struktur im Fell. Stattdessen von der Seite Licht draufgeben, ein Fenster reicht, und einen hellen Hintergrund wählen, damit die Silhouette eine Kante bekommt. Auf die Augen scharfstellen und warten, bis sich darin ein Lichtpunkt spiegelt. Dieser Punkt ist der ganze Unterschied zwischen einem Schatten und einem Gesicht.
Und wenn du ohnehin über eine Katze nachdenkst: Frag im nächsten Tierheim nach den Tieren, die am längsten da sind. Es sind auffällig oft die schwarzen — nicht, weil mit ihnen etwas nicht stimmt, sondern weil sie auf der Website nach nichts aussehen.
Wayne, June und ein Kater namens Sinbad
Bleibt die Frage, warum ausgerechnet der 17. August. June Morris starb an diesem Tag, mit 33 Jahren. Ihr Kater Sinbad, damals zwanzig, folgte ihr zwei Monate später. Einige Jahre danach machte ihr Bruder Wayne aus dem Datum etwas anderes als einen Trauertag: einen Tag für die Katzen, die niemand nimmt. Er tat sich mit einem Tierschutzhof in Virginia zusammen, auf dem über 250 schwarze Katzen leben, und sammelte Geld — unter anderem, indem er Bilder von schwarzen Katzen malte und versteigern ließ. Bei ihm zu Hause lebten zwei davon, Norman und Batman.
Wayne Morris ist 2022 gestorben, mit 69. Sein Tag ist ohne ihn weitergewachsen — und trägt im Nachhinein eine hübsche Pointe: Er kämpfte gegen den Aberglauben, geholfen hat am Ende etwas ganz anderes. Er hat die Katzen gemalt. Ein Bild zeigt ein Gesicht da, wo ein Foto ein Loch lässt. Wenn das nächste Mal eine schwarze Katze vor deiner Kamera sitzt, dreh sie ins Seitenlicht. Sie war die ganze Zeit da.
Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.


