
Tag der Verkehrsampel: Die Ampel, die explodierte
Kurz erklärt: Der Internationale Tag der Verkehrsampel wird jedes Jahr am 5. August begangen. Er erinnert an den 5. August 1914, als in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio die erste elektrische Ampel der Welt in Betrieb ging — mit nur zwei Lichtern, Rot und Grün. Die allererste Ampel überhaupt stand allerdings schon 1868 vor dem Londoner Parlament, lief mit Gas und flog nach knapp vier Wochen in die Luft.
Eine rote Ampel ist der einzige Ort, an dem erwachsene Menschen freiwillig stillstehen, obwohl niemand sie festhält. Etwas Licht in einer Blechkiste, und ganze Städte gehorchen. Das Erstaunlichste daran: Die Erfindung ist älter als das Auto. Die erste Ampel der Welt regelte keine Motoren, sondern Pferde.
Ein Holzarm vor dem Londoner Parlament
London war Mitte des 19. Jahrhunderts kein Ort für Fußgänger. Kutschen, Droschken und Omnibusse teilten sich dieselben engen Straßen, ohne Spuren, ohne Vorfahrtsregeln und mit Bremswegen, die von der Laune eines Pferdes abhingen. Allein im Jahr 1866 kamen auf Londons Straßen 1.102 Menschen ums Leben, 1.334 wurden verletzt. Besonders übel war die Ecke Bridge Street und Great George Street, direkt am Palace of Westminster.
Der Mann, der sich das nicht länger ansehen wollte, kam von der Eisenbahn. John Peake Knight war Manager bei der London, Brighton and South Coast Railway, und auf der Schiene war das Problem längst gelöst: Ein Signal sagt, wer fahren darf und wer wartet. Knight schlug der Londoner Polizei vor, genau das auf die Straße zu übertragen. Im Dezember 1868 stand sein Apparat da, rund sechs Meter hoch.
Tagsüber schwenkten zwei Semaphorarme aus Holz, wie an einer Bahnstrecke: waagerecht hieß Halt, schräg nach unten hieß Vorsicht weiterfahren. Nachts drehte sich oben eine Gaslaterne mit roter und grüner Scheibe. Bedient wurde das Ganze von einem Polizisten, der den ganzen Tag daneben stand und an einem Hebel zog. Und es funktionierte: Die Kutscher hielten tatsächlich an.
Vier Wochen bis zur Explosion
Am 2. Januar 1869 war die Geschichte vorbei. Aus einer undichten Leitung unter dem Pflaster sammelte sich Gas im Mast, entzündete sich und riss die Laterne auseinander — dem Polizisten, der sie gerade bediente, direkt ins Gesicht. Er wurde schwer verbrannt. Ob er überlebte, ist bis heute umstritten: Manche Quellen nennen ihn schwer verletzt, andere tot.
Die Anlage wurde abgeschaltet und bald darauf abgebaut. Damit war die Idee erledigt, und zwar gründlich: Über vier Jahrzehnte lang traute sich keine Stadt mehr, Licht auf eine Kreuzung zu stellen. Knight starb 1886, ohne dass irgendwo auf der Welt eine zweite Ampel gestanden hätte.
Warum ausgerechnet Cleveland den 5. August bekommt
Was die Sache rettete, war der Wechsel des Brennstoffs. Strom explodiert nicht. 1912 baute Lester Wire, ein Polizist aus Salt Lake City, einen Holzkasten mit roten und grünen Glühbirnen und hängte ihn über eine Kreuzung — halb Signalanlage, halb Vogelhaus. Zwei Jahre später wurde daraus ein Produkt: Die American Traffic Signal Company setzte am 5. August 1914 an der Ecke East 105th Street und Euclid Avenue in Cleveland die erste elektrische Ampel der Welt in Betrieb, nach einem Entwurf des Ingenieurs James Hoge. Rot und Grün, dazu ein Summer, geschaltet aus einer Kabine.
Die dritte Farbe kam 1920 von William Potts in Detroit, ebenfalls Polizist: der erste vierseitige Signalgeber mit gelber Zwischenphase. Drei Jahre später meldete Garrett Morgan in Cleveland ein eigenes Patent an. Der Sohn ehemaliger Sklaven hatte einen Zusammenstoß zwischen Auto und Kutsche mit angesehen und entwarf eine T-förmige Anlage mit einer Stellung, in der alle Richtungen gleichzeitig Halt bekamen: Die Kreuzung durfte sich leeren, bevor die nächste Fahrtrichtung frei wurde. Das Patent verkaufte er an General Electric.
Wie die Ampel nach Deutschland kam
Am 15. Dezember 1924 ging Deutschlands erste Lichtsignalanlage am Berliner Potsdamer Platz in Betrieb, damals einer der meistbefahrenen Plätze Europas. Sie steckte in einem fünfeckigen Verkehrsturm mit einer Kanzel obendrauf, in der ein Beamter saß und von Hand schaltete. Hamburg folgte 1925.
Heute regeln in Deutschland gut 50.000 Lichtsignalanlagen den Verkehr — je nach Zählweise auch über 130.000, wenn man jeden einzelnen Signalgeber statt jeder Kreuzung nimmt. Rund ein Viertel steht in Nordrhein-Westfalen. Und weil Farben Kultur sind: In Japan heißt Grün amtlich „ao“, also blau, weshalb die Signale dort seit 1973 im bläulichsten Grün leuchten, das die Norm noch hergibt.
So feierst du den Tag der Verkehrsampel
Das naheliegendste Programm ist auch das billigste: einmal an einer roten Ampel nicht genervt sein, sondern nachzählen. Die gefühlte Ewigkeit dauert meistens zwischen 30 und 90 Sekunden. Und die Streitfrage für die Wartezeit: Bewirkt der Knopf an der Fußgängerampel überhaupt etwas? An manchen Kreuzungen ja, an vielen nur zu bestimmten Tageszeiten.
Wer es gründlicher mag, schaut auf die Figur im Glas. Das Ampelmännchen mit Hut, 1961 vom Verkehrspsychologen Karl Peglau entworfen, sollte das Signal auch für schwache Augen lesbar machen: mehr Leuchtfläche, klarere Silhouette. Nach der Wende sollte es verschwinden, ein Bürgerkomitee wehrte sich und gewann.
Was von der ersten Ampel übrig ist
Die Ampel ist eine der wenigen Erfindungen, die uns täglich befiehlt, und wir gehorchen ohne Diskussion. Kein Uniformierter, keine Schranke, kein Argument — nur ein farbiges Licht. Das ist die eigentliche Leistung von Knights Apparat: Er hat nicht die Lampe erfunden, sondern die Übereinkunft. Alle halten sich an eine Anzeige, weil sie darauf vertrauen, dass die anderen es auch tun.
Deshalb ist der 5. August ein besserer Feiertag, als er klingt. Zwischen der ersten Ampel und der nächsten liegen mehr als vier Jahrzehnte Stillstand, weil ein Versuch schiefging und einen Menschen entstellte. Beim nächsten Rot lohnt der Gedanke, dass jemand für diese lästigen 40 Sekunden ziemlich teuer bezahlt hat.
Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.


