19.08.2026 — Weltfotografietag

Weltfotografietag am 19. August: Wie Frankreich 1839 die Fotografie der ganzen Welt schenkte und warum ausgerechnet England dafür zahlen musste.

Weltfotografietag

Weltfotografietag: Das Geschenk mit einer Ausnahme

Kurz erklärt: Der Weltfotografietag fällt jedes Jahr auf den 19. August. Das Datum erinnert an den 19. August 1839, als der Astronom François Arago in Paris das Verfahren der Daguerreotypie öffentlich erklärte und Frankreich es der Welt zur freien Nutzung überließ. Louis Daguerre bekam dafür eine lebenslange Staatsrente von 6.000 Franc im Jahr. Den Aktionstag in seiner heutigen Form gibt es seit 2010.

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Der Montagnachmittag, an dem Paris ein Rezept verschenkte

Der Sitzungssaal des Instituts an der Seine ist an diesem 19. August 1839 deutlich zu klein. Akademiemitglieder, Maler, Journalisten, Neugierige — alle wollen hören, wie man ein Bild bekommt, ohne es zu malen. Vorne steht nicht der Erfinder, sondern François Arago: Astronom, Sekretär der Akademie der Wissenschaften und nebenbei Abgeordneter. Er bedauert ausdrücklich, dass der Erfinder nicht selbst vortragen könne. Louis Daguerre schweigt an seinem größten Tag.

Arago geht das Verfahren Schritt für Schritt durch. Eine versilberte Kupferplatte, poliert bis zum Spiegelglanz. Joddampf macht sie lichtempfindlich. Dann die Belichtung in der Kamera, Minuten lang. Danach Quecksilberdampf, der das unsichtbare Bild hervorholt, und eine Salzlösung, die es festhält. Am Ende liegt kein Blatt Papier da, sondern eine spiegelnde Platte, auf der das Bild erst beim Kippen erscheint.

Das Bemerkenswerte steht aber nicht im Rezept, sondern im Kleingedruckten: Es gibt keins. Keine Lizenz, keine Gebühr, kein Patent. Der Staat hatte das Verfahren gekauft und gab es frei. Die Wirkung war binnen Wochen zu besichtigen: Ab September verkauften Pariser Händler fertige Apparate, und im Dezember erschien schon die Karikatur La Daguerreotypomanie — eine Stadt, die kollektiv den Verstand verliert, mitsamt Galgen für die arbeitslos gewordenen Kupferstecher.

Das Patent, das fünf Tage älter war als das Geschenk

Warum verschenkt ein Staat die meistdiskutierte Erfindung seines Jahrzehnts? Die unromantische Antwort: weil sie niemand kaufen wollte. Daguerre hatte zuvor versucht, sein Verfahren über Vorbestellungen loszuschlagen — ein Abonnement auf ein Geheimnis, das man vor dem Bezahlen nicht prüfen durfte. Es fanden sich nicht genug Abnehmer. Arago schlug deshalb vor, der Staat solle zahlen und das Ergebnis öffentlich machen. Im Sommer 1839 beschlossen die Kammern eine lebenslange Rente: 6.000 Franc jährlich für Daguerre, 4.000 für Isidore Niépce, den Sohn von Nicéphore Niépce, mit dem Daguerre jahrelang zusammengearbeitet hatte.

So weit die schöne Geschichte. Fünf Tage vor dem großen Nachmittag, am 14. August 1839, meldete ein Londoner Patentagent namens Miles Berry ein Patent an — im Auftrag Daguerres. Nummer 8194, gültig für England, Wales, die Stadt Berwick-upon-Tweed und die britischen Kolonien. Das Geschenk an die Welt hatte damit eine Ausnahme — ausgerechnet die Nachbarinsel, auf der zur selben Zeit ein zweiter Erfinder an seinem eigenen Bildverfahren saß.

Schlitzohrigkeit oder Vorsorge? Ein Mann, der jahrelang keinen Käufer fand, sicherte sich den einen Markt, den die französische Rente nicht abdeckte. Beides stimmt — nur hat diese Ausnahme länger gewirkt, als eine Fußnote es verdient.

Von der Lizenzgebühr zum Welttag

In Frankreich, in den deutschen Staaten und in den USA konnte loslegen, wer eine Platte, eine Linse und Geduld hatte. In Großbritannien musste man erst fragen. Bis Juni 1841 hielt Berry die Rechte allein, dann kaufte sie der Unternehmer Richard Beard für 800 Pfund und verlangte von jedem Berufsfotografen eine Lizenz. Es folgten Prozesse, es gab Konkurrenz — der aus Frankreich stammende Antoine Claudet hatte seine Erlaubnis direkt von Daguerre gekauft und ließ sich nicht verdrängen — und es gab reichlich Leute, die ohne Lizenz arbeiteten und ihre Bilder deshalb lieber nicht signierten.

Genau deshalb ist dieser 19. August ein brauchbares Datum. Gefeiert wird nicht die Erfindung der Kamera; die hat mehrere Väter und kein sauberes Geburtsdatum. Gefeiert wird eine Entscheidung: offenlegen statt einschließen. Wer heute über offene Standards und geschlossene Systeme streitet, führt dieselbe Debatte mit besserer Technik und schlechteren Anekdoten.

Nur hat es gedauert, bis jemand aus dem Datum einen Tag machte. Der indische Fotolehrer O. P. Sharma warb bereits Ende der 1980er-Jahre dafür, den 19. August zum gemeinsamen Tag aller Fotografierenden zu machen; ab 1991 gab es dazu Veranstaltungen in Indien. Der Durchbruch kam dann über das Netz: Der australische Fotograf Korske Ara startete 2009 ein eigenes Projekt, und am 19. August 2010 lief die erste weltweite Online-Galerie — 270 eingesandte Bilder, Besuch aus über hundert Ländern.

270 Bilder waren damals eine Meldung wert. Heute ist die Zahl lächerlich klein — und das Prinzip trotzdem dasselbe wie 1839: hergeben, was man auch behalten könnte.

Daguerre selbst hatte davon nichts mehr. Er zog sich aufs Land zurück und starb 1851, da war sein Verfahren schon fast wieder abgelöst — wegen einer Schwäche, gegen die kein Patent half: Von einer Daguerreotypie ließ sich keine Kopie ziehen. Die Zukunft gehörte den Verfahren mit Negativ, also denen, die man teilen konnte. Auch das passt zu diesem Tag ziemlich genau.

So feierst du den Weltfotografietag

Der einfachste Weg ist ein Bild, das nicht dem Algorithmus gefällt, sondern dir. Noch besser mit einer Regel, die zum Hinsehen zwingt: eine Aufnahme pro Motiv, kein Nachschießen, kein Löschen. Die Daguerreotypie kannte keinen zweiten Versuch. Jede Platte war ein Unikat, das sich nicht vervielfältigen ließ, und wer blinzelte, blinzelte für immer.

Zweite Idee, weniger romantisch und dafür nützlich: Hol die ältesten Fotos deiner Familie hervor und schreib auf die Rückseite, wer darauf zu sehen ist. Fast jedes Familienarchiv besteht zur Hälfte aus Gesichtern, die niemand mehr benennen kann. Und dann schick jemandem ein Bild, das du selbst gemacht hast. Weitergeben statt aufbewahren — mehr war die Sache am 19. August 1839 auch nicht.

Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.




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