
Hawaiihemd-Tag: Kimonostoff gegen die Pleite
Kurz erklärt: Der Hawaiihemd-Tag fällt auf den dritten Freitag im August, 2026 also auf den 21. August. Das Datum erinnert an die Aufnahme Hawaiis als 50. Bundesstaat der USA am 21. August 1959. Das Hemd selbst ist älter: 1936 ließ der Händler Ellery Chun in Honolulu den Namen Aloha Shirt schützen und verkaufte die ersten Exemplare von der Stange. Aus dem Aloha-Freitag der 1960er Jahre wurde später der weltweite Casual Friday.
Es gibt Kleidungsstücke, über die niemand neutral spricht. Das Hawaiihemd ist das prominenteste davon: entweder der beste Urlaubsmoment des Jahres oder das textile Verbrechen des Onkels auf der Familienfeier. Was fast niemand weiß: Dieses Hemd war kein modischer Einfall, sondern ein Rettungsversuch. Ein Laden stand vor dem Aus, und jemand hatte nichts als ein paar Meter japanischen Stoff und eine Idee.
Der größte Irrtum: Das Hawaiihemd ist hawaiianisch
An dem Hemd, das für Hawaii steht wie sonst nur die Blütenkette, ist ziemlich wenig hawaiianisch. Der Stoff kam aus Japan: bedruckte Baumwolle für Yukata, die leichten Sommerkimonos, die japanische Einwandererfamilien auf den Plantagen mitgebracht hatten. Bedruckten Stoff mit hawaiianischen Motiven gab es in den 1930er Jahren schlicht nicht zu kaufen. Chun nahm also, was im Laden lag, und ließ ein paar Dutzend Hemden daraus nähen.
Der Schnitt stammt ebenfalls von woanders: vom Palaka, dem karierten Arbeitshemd der Zuckerrohr- und Ananasplantagen, kurzärmelig, weit und mit geradem Saum, damit man es über der Hose tragen kann. Auch das lose fallende Barong der philippinischen Arbeiter wird als Vorbild genannt. Und der Mann, der aus alldem ein Produkt machte, war chinesischer Abstammung, in Honolulu geboren und Wirtschaftswissenschaftler. Das Hawaiihemd ist ein japanisch-philippinisch-chinesisches Missverständnis, das die halbe Welt für den Inbegriff der Südsee hält.
Nicht einmal die berühmten Muster gehen auf Chun zurück. Ein großer Teil der frühen Entwürfe stammte von seiner Schwester Ethel Chun Lum, die die Palmen, Wellen und Hibiskusblüten zeichnete, für die das Hemd heute steht. Er hatte den Namen und den Laden, sie hatte den Stift.
Zwei Hemden für jeden Abgeordneten
Ein Hemd, das man nicht in die Hose steckt, war jahrzehntelang alles Mögliche, nur keine Bürokleidung. Es gehörte an den Strand, in den Urlaub, in die Freizeit. Dass es trotzdem hinter Schreibtische kam, war kein Naturereignis, sondern gut organisierte Lobbyarbeit. Die Hawaiian Fashion Guild, ein Zusammenschluss örtlicher Hemdenhersteller, startete 1962 eine Kampagne mit dem angemessen pathetischen Namen Operation Liberation. Ihr Präsident Bill Foster ließ jedem Mitglied beider Kammern des Parlaments von Hawaii zwei Aloha-Hemden zustellen. Kostenlos, versteht sich.
Das Argument klang nach Klimakunde und war Absatzpolitik: Anzug mit Krawatte sei in einem Büro auf Hawaii unvernünftig, und jedes getragene Hemd stütze nebenbei die heimische Textilindustrie. Es funktionierte. Der Senat verabschiedete eine Resolution, die Aloha-Kleidung am Freitag empfahl, und der prominenteste Mitmacher war ausgerechnet der Präsident der Bank of Hawaii, der ab 1966 jeden Freitag im gemusterten Hemd am Schreibtisch saß. Wenn die Bank es erlaubt, erlaubt es jeder.
Der Freitag, der die Krawatte abschaffte
Der Aloha Friday blieb nicht auf den Inseln. Touristen brachten Hemden mit, Hawaii war seit 1959 Bundesstaat und mit dem Düsenjet plötzlich ein Wochenendziel, und Filme taten den Rest. Auf dem Festland verlor der Brauch sein Aloha und behielt nur den freien Freitag. Aus Aloha Friday wurde Casual Friday, und irgendwann tauchte er in Personalhandbüchern auf, in denen das Wort Hawaii nie vorkam.
Den letzten Schub gab eine Jeansmarke. 1992 verschickte Levi Strauss eine Broschüre mit dem Titel A Guide to Casual Businesswear an zehntausende Personalabteilungen in den USA, um den eigenen Chinohosen ein Zuhause im Büro zu verschaffen. Die Abteilungen bedankten sich und führten den lockeren Freitag ein. Der Casual Friday ist damit vermutlich die erfolgreichste Kleiderordnung der Geschichte, die zweimal von Leuten erfunden wurde, die etwas verkaufen wollten. Wer heute freitags ohne Krawatte in eine Videokonferenz geht, steht am Ende einer Kette, die in einem Laden in Honolulus Chinatown beginnt.
So feierst du den Hawaiihemd-Tag
Das Naheliegende zuerst: anziehen. Wer es richtig machen will, greift zum Reverse Print, dem Hemd, bei dem der Stoff mit der bedruckten Seite nach innen verarbeitet wird. Die Farben wirken dadurch verwaschen und gedämpft, und genau diese Variante trägt man auf Hawaii ins Büro. Die knalligen Motive sind, freundlich gesagt, für Besuch gedacht.
Zwei Regeln erkennen Kenner sofort: Das Hemd bleibt draußen, dafür ist der gerade Saum da. Und bei den guten alten Stücken sind die Knöpfe aus Kokosnuss oder Muschel. Wer ein Vintage-Exemplar in die Finger bekommt, prüft die Brusttasche: Bei teuren Hemden läuft das Muster über der Tasche exakt weiter. Heute spart sich das fast jeder.
Was aus dem Mann im Schaufenster wurde
Ellery Chun, Jahrgang 1909, hatte 1931 einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Yale in der Tasche und die Weltwirtschaftskrise vor der Nase. Statt einer Stelle in der Finanzwelt wartete der Kurzwarenladen seines Vaters an der North King Street, den er in King-Smith Clothiers umbenannte. Die Hemden aus Kimonostoff waren der Versuch, Ware loszuwerden und Kundschaft anzulocken.
Der Rest ist eine stille Pointe. Chun stieg 1945 in den Vorstand einer Bank ein, wurde dort später Vizepräsident und verkaufte seinen Laden. Er bekam also genau den Beruf, für den er studiert hatte, nur mit vierzehn Jahren Verspätung und einem Umweg über die Modegeschichte. Am Warenzeichen verdiente er kaum etwas, der Begriff wurde ein Gattungsname. Gefragt, was er von alldem halte, sagte er einmal trocken, es sei gut ausgegangen. Als Chun im Jahr 2000 mit 91 Jahren starb, erklärte der Gouverneur von Hawaii das laufende Jahr zum Jahr des Aloha-Hemdes.
Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.


