13.09.2026 — Roald Dahl Day

Roald Dahl Day am 13. September 2026: Wie ein Schädelbruch in der Wüste aus einem britischen Kampfpiloten den Erfinder der Schokoladenfabrik machte.

Roald Dahl Day

Roald Dahl Day: Der Absturz, aus dem Charlie wurde

Kurz erklärt: Der Roald Dahl Day fällt jedes Jahr auf den 13. September, den Geburtstag des Autors. Roald Dahl kam 1916 als Kind norwegischer Eltern im walisischen Llandaff zur Welt und starb 1990. Gefeiert wird der Tag seit 2006, seinem 90. Geburtstag; seit 2020 heißt er offiziell Roald Dahl Story Day. Seine Bücher haben sich über 300 Millionen Mal verkauft, in mehr als 60 Sprachen.

Video: Roald Dahl DayMit Klick wird YouTube geladen — Datenübertragung an Google

Wer als Kind „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gelesen hat, hat ein Bild vom Autor im Kopf: freundlicher alter Herr, Gartenhaus, Wolldecke über den Knien. Für die letzten dreißig Jahre stimmt das sogar.

Nur ist dieser Mann vorher mit einem brennenden Doppeldecker in die Wüste gefallen, hat sich den Schädel gebrochen, war sechs Wochen blind und schoss danach fünf Flugzeuge ab. Geschrieben hat er erst, als man ihm das Fliegen wegnahm.

Der größte Irrtum: Abgeschossen wurde er nie

Dahls erster veröffentlichter Text erschien am 1. August 1942 in der „Saturday Evening Post“ unter der Überschrift „Shot Down Over Libya“ — abgeschossen über Libyen. Ein Titel wie ein Trommelwirbel. Er war falsch. Niemand hat auf Roald Dahl geschossen, ihm war der Sprit ausgegangen. Und runtergegangen ist er nicht in Libyen, sondern auf ägyptischer Seite, westlich von Mersa Matruh. Zwei Fehler in vier Wörtern.

Dahl selbst hatte den Text „A Piece of Cake“ genannt, ein Kinderspiel. Der Redaktion war das zu klein für einen Krieg. Ausgerechnet der Autor, der später sein Leben lang über Erwachsene schrieb, die Kindern etwas vormachen, kam über eine aufgehübschte Schlagzeile in die Literatur. Bezahlt wurden 900 Dollar, ein Vermögen für jemanden, der bis dahin nichts vorzuweisen hatte als Flugstunden.

Ein Zwei-Meter-Mann in einem Doppeldecker

Am 19. September 1940 soll der 24-jährige Pilot Officer Dahl eine Gloster Gladiator über die nordafrikanische Wüste zu seiner Staffel bringen. Er ist knapp zwei Meter groß und faltet sich in ein Cockpit, das für kleinere Männer gebaut wurde. Den Typ hat er nie im Einsatz geflogen, und die Koordinaten, die man ihm mitgibt, sind falsch. Statt auf einem Feldflugplatz landet er im Nirgendwo zwischen den Linien, leerer Tank, einbrechende Dunkelheit. Das Fahrwerk erwischt einen Felsblock. Dahl kriecht mit gebrochenem Schädel und zertrümmerter Nase aus der brennenden Maschine und sieht sechs Wochen nichts. Eine spätere Untersuchung hält fest: Man hatte ihn an den falschen Ort geschickt.

Erstaunlich genug fliegt er wieder, Hurricanes über Griechenland, fünf bestätigte Abschüsse, Fliegerass. Dann kommen die Kopfschmerzen zurück, im Steigflug wird ihm schwarz vor Augen, Ursache: der alte Schädelbruch. Man holt ihn aus dem Cockpit und schickt ihn als Luftfahrt-Attaché nach Washington. Bester Anzug, schlechteste Laune. Dort sucht der Romanautor C. S. Forester eine echte Fliegergeschichte für ein Magazin. Dahl sagt, schreiben könne er nicht, er liefere Notizen — und sitzt die halbe Nacht daran. Forester schickt das Ergebnis weiter, ohne ein Wort zu ändern, und fragt, wer ihm das Schreiben beigebracht habe. Niemand.

Warum seine Bücher Kindern nichts vormachen

Dahls Erwachsene sind selten nett. Sie sind gierig, laut, dumm oder grausam, und die Kinder gewinnen gegen sie — nicht weil sie brav sind, sondern weil sie schlauer sind. Genau das haben Erwachsene ihm jahrzehntelang vorgeworfen und Kinder als die einzige Ehrlichkeit weit und breit gefeiert.

Die berühmteste Zutat kam aus der Schule. Als Dahl mit 13 ins Internat Repton kam, schickte die nahe Schokoladenfabrik Cadbury den Schülern gelegentlich Testpakete mit neuen Rezepturen zum Probieren und Benoten. Dahl saß mit dem Bleistift über einer Schachtel Schokolade und stellte sich vor, wie es hinter der Fabriktür aussehen musste: ein geheimer Erfinderraum voller Erwachsener in weißen Kitteln, die an klebrigen, kochenden Massen herumprobieren. Dreißig Jahre später hieß dieser Raum Wonkas Erfinderabteilung.

Das Ventil, das ein Kinderbuchautor mitentwickelt hat

Im Dezember 1960 erfasst in New York ein Taxi einen Kinderwagen. Darin liegt Theo Dahl, vier Monate alt. Der Junge überlebt mit schwerem Schädeltrauma, danach staut sich Hirnflüssigkeit — ein Hydrozephalus. Ein Schlauch soll den Druck ableiten, doch das übliche Ventil verstopft immer wieder, und jede Verstopfung bedeutet Schmerzen, drohende Erblindung, nächste Notoperation.

Dahl hält das nicht aus und tut, was ein Vater tun kann, der zufällig Modellflugzeuge baut: Er ruft Stanley Wade an, einen Feinmechaniker für Präzisionshydraulik, mit dem er sonst Flugmodelle fliegt. Dazu kommt Kenneth Till, Neurochirurg am Great Ormond Street Hospital. Wade baut, Till prüft, Dahl treibt an. Heraus kommt 1962 ein Ventil aus Edelstahl, schwerer zu verstopfen und billiger als alles davor: das Wade-Dahl-Till-Ventil. Und dann die Wendung, die sich niemand ausdenken würde: Bis es fertig war, hatte Theo sich so weit erholt, dass er es nie eingesetzt bekam. Rund 3000 anderen Kindern half es. Gewinn wollten die drei ausdrücklich keinen.

Was am 13. September wirklich gefeiert wird

Der Roald Dahl Day begann 2006 als Geburtstagsfeier zum 90. und ist heute ein fester Termin im britischen Schuljahr: Zehntausende Schulen machen mit, Kinder kommen als Fantastischer Mr. Fox oder als Riesenpfirsich in den Unterricht. Gesammelt wird für eine Hilfsorganisation, die schwer kranke Kinder mit spezialisierten Pflegekräften versorgt — auch das hat einen Grund in der Familie. Dahls Tochter Olivia starb 1962 mit sieben Jahren an einer Masernenzephalitis. Er schrieb später einen offenen Brief an Eltern und flehte sie an, ihre Kinder impfen zu lassen.

Ein einfacher Held ist er trotzdem nicht. Dahl äußerte sich in Interviews wiederholt antisemitisch; seine Familie entschuldigte sich dafür 2020 öffentlich. Und 2023 strich der Verlag Puffin Hunderte Wörter aus den Kinderbüchern, was eine erbitterte Zensurdebatte auslöste. Ohne Fußnoten geht dieser Tag also nicht. Was bleibt, ist trotzdem eine unwahrscheinliche Kette: Ein Mann will nichts als fliegen, verliert das Fliegen an einen Felsblock in der Wüste und schreibt am Ende die Bücher, wegen denen Millionen Kinder Lesen nicht für eine Strafe halten.

Transparenzhinweis: Texte und Sprecherstimme dieses Beitrags wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kein Tag mehr verpassen.

Täglich ein besonderer Tag direkt in dein Postfach.

Kein Spam. Jederzeit abmeldbar.